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Blütezeit des Vereins

Erst am 12. Juli 1947 gelang es einer kleinen Zahl von Sangesfreunden trotz der schwierigen Situation, in der sich das ganze Land befand, den Gesangverein in Niederkleen zu neuem Leben zu erwecken. Die Wirren des Krieges hatte das ganze Land gravierend verändert und das spiegelte sich auch in dem kleinen Dorf am Kleebach wider. Durch die große Zahl der Heimatvertriebenen und Evakuierten aus den Städten hatte das Dorf im Jahr 1947 urplötzlich fast doppelt so viele Einwohner, als vor dem Krieg. Dies war jedoch auch eine Chance für den Verein. Viele Alt- und Neubürger fanden über die Musik zusammen und man konnte im Chor bald auf die erfreuliche Anzahl von fast 50 aktiven Sängern zurückblicken.

Im Jahr 1951 konnte man einen neuen Dirigenten verpflichten. Ewald Röhrig erwies sich als Glücksgriff für die Geschichte und Entwicklung des Chores, denn als Berufsmusiker und Mitglied des Sinfonieorchesters des Hessischen Rundfunks konnte er mit seiner Kompetenz den Sängern wesentliche Impulse geben. Sein Bestreben, das Niveau des Chores immer weiter zu verbessern zeigte auch Erfolg. Bei den jährlichen Liederabenden erntete man viel Lob und Beifall und die Zahl der aktiven Sänger stieg deutlich an. Bei Konzerten gewann man etliche Pokale und Dirigentenpreise und erhielt durchweg positive Kritiken bei den Wertungssingen des Sängerbundes, an denen der Chor regelmäßig teilnahm. Dennoch sah unser Gesangverein seine Aufgabe nie darin, Preise zu gewinnen. Im Vordergrund stand zu jeder Zeit der Spaß an Musik und Gesang. Geselligkeit war dabei ebenfalls schon immer eine wesentliche Säule des Vereins, wie auch die Absicht, mit den vom Chor dargebotenen Liedern den Zuhörern Freude zu bereiten.

Ein Meilenstein für den Gesangverein “Liederkranz Niederkleen“ kam dann im Jahr 1992, als man mit einem großen Sängerfest in würdigem Rahmen das 100jährige Jubiläum feiern konnte. Zu diesem Anlass wurde dem Verein eine besondere Ehre zuteil, als er die vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizäcker verliehene “Zelter Plakette“ erhielt. Der Bronzeteller zeigt das Bild des Berliner Musikprofessors Carl F. Zelter (1758 – 1832) und ist die höchste Auszeichnung des Sängerbundes, die verliehen wird an „Chorvereinigungen, die sich in langjährigem Wirken besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes und damit um die Förderung des kulturellen Lebens erworben haben“. Das Fest war einer der letzten Höhepunkte für den Ehrendirigenten des Chores. Ewald Röhrig hatte die musikalischen Geschicke des Chores 45 Jahre lang gelenkt, bis ihn  ein Schlaganfall 1995 zwang, seinen Dirigentenstab abzugeben. Sein Nachfolger wurde Walter Jung, der danach 15 Jahre den Chor leitete und mit den Sängern sogar Reisen bis in die USA und nach Südafrika unternahm.

Neuland betrat der Verein, als nach Walter Jung im Jahr 2011 Melanie Breidenich die Leitung des Chores übernahm und vor dem Männerchor Liederkranz zum ersten Mal seit der Gründung im Jahre 1892 eine Frau stand, die den Taktstock führte. Auch für die junge Dirigentin waren es ganz neue Erfahrungen, einen reinen Männerchor zu leiten. Schnell zeigte sich jedoch, dass diese Symbiose auf fruchtbarem Boden stattfand und – im wahrsten Sinne des Wortes – die Harmonie stimmte. Unter Beibehaltung des Repertoires, jedoch mit Übungen zur individuellen Stimmbildung und frischem Liedgut wurden auch für viele Sänger neue Seiten aufgeschlagen, was aber von den Sängern mit Freude aufgenommen wurde und die Akzeptanz aller hatte. Melanie Breidenich erwies sich bis heute als absoluter Glücksgriff für den Verein. Mit ihr kam frischer Wind, wie auch neue Ideen und Herausforderungen. Der Männerchor stellte sich unter ihrer Regie der Kritik der Juroren bei den Wertungssingen und richtete 2012 diese traditionelle Veranstaltung des Sängerbundes “Hüttenberg-Schiffenberg“ für 40 teilnehmende Chöre aus der Region selbst aus.

Doch trotz der Weiterentwicklung der Sänger, dem Erfolg und dem Spaß, den die Zusammenarbeit und das Singen allen Beteiligten machte, kündigte sich schleichend, aber immer gravierender eine traurige Entwicklung an, die schon in den 80er Jahren eingesetzt hatte und die heute nahezu alle Männergesangvereine betrifft: Während ältere Sänger versterben oder sich oft aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sehen, ihrem Hobby nachzugehen, rücken jüngere Sänger immer seltener nach. Vor diesem Problem stehen leider fast alle klassischen Männerchöre und die Gründe hierfür sind vielschichtig. So tritt zum Beispiel das Volkslied, das früher in jeder Schule gelehrt und praktiziert wurde, immer mehr in den Hintergrund. Gravierende gesellschaftliche Veränderungen mit einem gänzlich veränderten Freizeitverhalten – dominiert von einer vorher nie gekannten Medienüberflutung – sind jedoch die primäre Ursache einer Entwicklung, die in ihrer Gesamtheit dem traditionellen Chorgesang entgegenwirkt.

Trotz vieler Bemühungen des Vereins, diese Entwicklung zu bremsen, konnte niemand die Augen davor verschließen, dass auch unser Männerchor unter den gegebenen Umständen bald nicht mehr singfähig sein würde. Viele der älteren Sänger hatten daher das Jahr 2017 als Zeitpunkt angekündigt, zu dem sie beabsichtigten, ihre aktive Sängertätigkeit zu beenden – für die meisten war die Belastung zu groß geworden. Man wollte jedoch auf jeden Fall noch das 125jährige Jubiläum des Chores gemeinsam feiern. Das Jubiläumsfest war dann auch noch einmal ein großartiger Erfolg und ein würdiges Ende für viele treue Sänger – jedoch auch für den gesamten Männerchor.

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